Posts mit dem Label Akteure der Alphabetisierung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Akteure der Alphabetisierung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Selbsthilfegruppen in der Alphabetisierung und Grundbildung

Screenshot: http://alogos.de
Man hat das Gefühl, dass mit der Aufmerksamkeit, die das Thema Alphabetisierung und Grundbildung gewinnt, auch die Anzahl der Selbsthilfegruppen zunimmt.

Selbsthilfegruppen sind laut Wikipedia "selbstorganisierte Zusammenschlüsse von Menschen, die ein gleiches Problem oder Anliegen haben und gemeinsam etwas dagegen bzw. dafür unternehmen wollen. [...] [Sie] dienen im Wesentlichen dem Informations- und Erfahrungsaustausch von Betroffenen und Angehörigen, der praktischen Lebenshilfe sowie der gegenseitigen emotionalen Unterstützung und Motivation. Darüber hinaus vertreten Selbsthilfegruppen in unterschiedlichem Grad die Belange ihrer Mitglieder nach außen."

Also, das heißt, dass Selbsthilfegruppen sich zu allererst gegenseitig unterstützen, aber viele von ihnen machen dazu noch Öffentlichkeitsarbeit. Im Folgenden versuche ich eine Zusammenstellung der unterschiedlichen Selbsthilfegruppen in Deutschland. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen - wenn doch, dann bitte Bescheid sagen!

Selbsthilfegruppe Analphabeten Ludwigshafen

Diese Selbsthilfegruppe gibt es schon lange, offiziell seit 2003. 2005 wurde sie als "Botschafter der Alphabetisierung" vom Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung ausgezeichnet. Die Laudatio zu diesem Anlass gibt viele Beispiele aus der umfassenden Arbeit der Gruppe. Zur Selbsthilfegruppe gehören unter anderem Karl Lehrer, Horst Uhrig und Thorsten Böhler.

ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg

Die Selbsthilfegruppe hat sich 2011 auf Initiative von Ernst Lorenzen und Brigitte van der Velde neu gegründet. Auch diese Gruppe ist sehr aktiv, über ihre Arbeit und ihre Ziele kann man sich hier  und hier informieren.

Alpha-Team Hamburg

Das Alpha-Team unterstützt sich gegenseitig und berät die Hamburger VHS und ihre Projekte. Infos gibt es hier und hier.

Alpha-Team Muldental

Im Muldental besteht die Selbsthilfegruppe seit 2012. Ansprechpartner ist Joachim Radtke und einen kurzen Bericht findet man hier.

Selbsthilfegruppe Dresden

Diese Gruppe hat sich 2013 gegründet. Informationen sind hier zu finden.

Selbsthilfegruppe Chemnitz

Auch in Chemnitz hat sich 2013 eine Selbsthilfegruppe gegründet. Einen kurzen Bericht gibt es hier.

Selbsthilfegruppe ABC Berlin

2013 war ein gutes Jahr für Selbsthilfegruppen! Auch in Berlin haben sich Lerner zusammengefunden, um sich auszutauschen, zu unterstützen und zu beraten.

Wortblind Lüneburg

Ganz frisch in diesem Jahr ist die Selbsthilfegruppe Wortblind aus Lüneburg. Das schöne Brillenlogo bleibt auf jeden Fall gut in Erinnerung. Dabei ist unter anderem Uwe Boldt.


Akteure der Alphabetisierung: Renate Ömer

Ömer Renate
Quelle: http://www.bhw-n.eu

Renate Ömer

ist gelernte DaF-Lehrerin und IT-Organisatorin.
Arbeitsschwerpunkte: Methodik & Didaktik IKT, Mathematik mit Lebensweltbezug, Kompetenzorientierung.
Bis 1999 Diplomstudium Komparatistik & Germanistik (DaF), bis 2008 IT-Organisation Teich AG, ab 2009 Lernbegleiterin Basisbildung, seit 2011 Projektarbeit Social Media in der Basisbildung.

Empfehlenswert für KursleiterInnen ist neben vielem anderen auf Zukunft-Basisbildung auch ihr Blogbeitrag: "Das Drehbuch für den Unterricht".

1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?

Die Verbindung von Bildung mit Praxistauglichkeit fasziniert mich. Die Teilnehmenden der Basisbildung brauchen eine Bildung, die ihnen unmittelbar nützt. So können sie den Sinn und Lernaufwand nachvollziehen.

2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?

Gegenseitige Handyschulungen

3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?

Professionalität des Lehrpersonals an die Öffentlichkeit kommunizieren

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?

In der Bearbeitung kollaborativer Aufgaben Lernstand sichtbar machen, Kompetenzen weiterentwickeln und anhand alltagsrelevanter Aufgaben Lernziele überprüfen.

5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?

Alltagspraxis

Akteure der Alphabetisierung: Michael Power

  • geboren in Tipperary, Irland
  • hat mit 16 die Schule ohne Abschluss verlassen
  • arbeitete 20 Jahre lang als Kranfahrer in einer Glasfabrik
  • entschloss sich, Lesen und Schreiben im Einzelunterricht und dann in einer Abendschule zu lernen
  • wurde Vertreter der Lernenden (student representative) im Vorstand der Nationalen Agentur für Alphabetisierung (National Adult Literacy Agency - NALA)
1) Warum hast du dich dazu entschieden, lesen und schreiben zu üben?
Als meine Kinder in die Schule kamen, wollte ich ihnen helfen können. Das war der Auslöser. Aber Lesen und Schreiben zu können, war sowieso schon immer mein großer Traum. Ich hatte leider nicht die Gelegenheit dazu, als ich jünger war. Deswegen wollte ich mein Leben später selbst in die Hand nehmen und vorwärtskommen.

2) Was ist besonders gut daran, lesen und schreiben zu können?
Oh jeh, wo soll ich da anfangen?! Endlich richtig lesen und schreiben zu können, hat mein ganzes Leben verändert. Es hat mir eine neue Welt eröffnet. 
Es sind eigentlich die ganz einfachen Dinge: ich kann ein Buch lesen, mit dir skypen und emailen, und so weiter. Ich bin in dieser Gesellschaft kein Außenseiter mehr. Ich bin stolz auf das, was ich geschafft haben und schäme mich nicht mehr. Und ist es nicht großartig, dass ich jetzt anderen helfen, andere unterstützen und ermutigen kann?

3) In der Gesellschaft muss man für die Alphabetisierung noch viel verbessern. Was ist deiner Meinung nach im Moment  das wichtigste Problem?
Nicht gut lesen und schreiben zu können, ist immer noch ein Makel in unserer Gesellschaft. Wir müssen diese Meinung gemeinsam verändern. Wir müssen zeigen, dass wir nicht dumm sind, und dass wir der Gesellschaft viel bieten können, wenn sie uns lässt. Wenn die Menschen und auch diejenigen in Machtpositionen, ihre Einstellung verändern, dann ist es für die Betroffenen viel leichter, in Kurse zu gehen.

4) Was möchtest du Betroffenen sagen?
Lesen und Schreiben zu lernen, hat mein Leben verändert. Es war für mich ein ganz beänstigendes Erlebnis, zum ersten Mal in einen Kurs zu gehen. Aber ich habe gemerkt, wie es sich gelohnt hat, als ich mein erstes Buch gelesen hatte. Ich bin in die Welt des Lesens eingetaucht, ich konnte meiner Tochter helfen und ich konnte sogar eine neue Arbeit finden. Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, was man schaffen kann - alle meine Träume sind wahr geworden.

5) Was ist dein Lieblingswort?
Ich kann mich nicht entscheiden. Ich mag sie alle.


Übersetzung aus dem Englischen: Theresa Hamilton  

Akteure der Alphabetisierung: Dr. Frank Dittmer





ist seit 2011 Leiter der VHS Havelland (im Berliner Umland). Dort u.a. für Grundbildungsangebote zuständig: Erstberatungen / -Einstufungen von Lerninteressierten, Kursorganisation, Öffentlichkeitsarbeit, Koordination eines lokalen Alpha-Netzwerkes
  

Vorherige Berufliche Stationen:

•    1990 - 1997 Kultur-Koordinator und Pressereferent im Berliner Stadtbezirk Schöneberg.
•    1997 - 2002 Erziehungszeit / ehrenamtlicher Kulturstadtrat / Tourismus¬förderung / Literaturprojekte / Museumsgründung in Oranienbaum (Anhalt).
•    2003 - 2011 Programmbereichsleiter in der VHS Tempelhof-Schöneberg (Berlin).
 

1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten oder sich für den Bereich zu engagieren?

In der Volkshochschule bieten wir das ganze, breite Bildungs-Spektrum von der Alphabetisierung  über freizeitliche, berufliche Fortbildungen bis zum nachträglichen Schulabschluss an. Nichts davon ist (mir) unwichtig, alles erfordert volle Aktivität unserer kleinen, kompakten Mann-/ Frauschaft. Der Alpha-Bereich war vakant, wir wollten im Landkreis mehr dafür tun, es brauchte frisches Engagement. Schon war ich mittendrin in einem Gebiet, das ich vorher, obwohl studierter Sprachenmann, nur von der Ferne kannte. Aber diese neue Nähe tut mir gut. Von meinen Begegnungen mit den Lerner/innen habe ich menschlich, aber auch aufs Bildungswesen bezogen eine Menge gelernt.
 

2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?

Interessierte kommen zu mir in die Erstberatung – mit unsicheren Schritten, was sie erwartet, noch ganz benommen von ihrer Entscheidung, sich (zumindest halb) öffentlich zu ihrem Problem zu bekennen, es endlich in Angriff zu nehmen. Für beide Seiten, auch für mich, zunächst eine etwas ungemütliche Situation. Wenn aber Menschen erst in Kurse gefunden haben, eine Zeitlang im Hause und im Unterricht sind , sehe ich sie öfter wieder und bemerke die Entwicklung: Wie sie freier werden, Potentiale entdecken und für sich nutzen, tolle Lerngruppen bilden. Wir können jetzt ganz befreit mit einander umgehen und ich sehe: Da macht Bildungs-Arbeit einen ganz elementaren Sinn, öffnet Räume, ja Welten.
 

3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?

Alle politischen Sonntagsredner haben erkannt: man muss im Bereich der Alphabetisierung etwas tun – und zwar nachhaltig und dauerhaft. Es werden aber meistens doch wieder nur Aktionismen mit Signalcharakter, befristete Förderprogramme, Dinge von der Hand in den Mund geplant und finanziert und die dauerhafte Arbeit wird weiterhin nicht ausreichend gefördert. Es braucht endlich verlässliche Arbeitsstrukturen und Angebote in diesem Bereich.
 

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?

Meine Erfahrung ist – und das gilt genauso im „Alpha-Bereich“ – dass es zwar jede Menge Pfade durch den Lern- und Lebensdschungel gibt, aber letztlich doch keine fertigen Wege, die für alle die richtigen sind. Das ist spannend, aber auch anstrengend. Und birgt Potential: Jeder kann seinen Weg finden – auch in die Alphabetisierungs-Arbeit. Die zugewandtesten Lehrer/innen habe ich hier unter den Quereinsteiger/innen gefunden!
 

5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?

„Je näher man einen Satz anschaut, um so ferner schaut er zurück“, soll Karl Kraus gesagt haben. Das ist für mich so ein Lebens-Wort, auch für die Sprach-Vermittlung: Man findet immer wieder etwas Neues hinter gesprochener, geschriebener, gelesener Sprache, hinter Wörtern und Worten – und immer bleibt noch Raum für erneute Betrachtung und Nachfrage…!

 



Akteure der Alphabetisierung: P.G.

P.G.

  • ist Lernerin bei Lesen und Schreiben e.V. in Berlin Neukölln
  • hat in diesem Jahr den Schreibwettbewerb des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung gewonnen
  • Über ihr Leben mit dem Lesen und Schreiben wird in dieser halbstündigen Doku berichtet


1) Warum hast du dich dazu entschieden, lesen und schreiben zu üben?
Damit es für mich einfacher wird die Regeln für die Rechtschreibung und Grammatik zu verstehen. Ich möchte gern, dass man meine geschriebenen Wörter lesen kann.

2) Was ist besonders gut daran, lesen und schreiben zu können?
Dass man ohne fremde Hilfe auskommt und das ich vielleicht anderen helfen kann.

3) In der Gesellschaft muss man für die Alphabetisierung noch viel verbessern. Was ist deiner Meinung nach im Moment  das wichtigste Problem?
Man sollte uns einen geschützten Rahmen bei den Arbeitsvermittlern geben und ich finde es wichtig, dass wir besser in die Berufswelt eingegliedert werden. Viele denken, dass man nach 2 Jahren lesen und schreiben lernen alles perfekt kann. Das ist aber nicht so. Der Arbeitsmarkt müsste sich für uns öffnen.

4) Was möchtest du neuen Lehrern und Lehrerinnen sagen?
Dass sie Geduld mit uns haben sollen. Sie müssten uns motivieren, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Die Dinge, die uns so schwer fallen müssen sie genauer erklären.

5) Was ist dein Lieblingswort?
„Stärke“

Akteure der Alphabetisierung: Marion Karakelle



Marion Karakelle 


ist Lernerin bei Lesen und Schreiben e.V.

1) Warum hast du dich dazu entschieden, lesen und schreiben zu üben?
Wegen meinen Kindern und meinem Berufswunsch.

2) Was ist besonders gut daran, lesen und schreiben zu können?
Das man sich in der Welt zurechtfinden kann.

3) In der Gesellschaft muss man für die Alphabetisierung noch viel verbessern. Was ist deiner Meinung nach im Moment  das wichtigste Problem?
Die Bewilligung vom Jobcenter für den Kurs bei Lesen und Schreiben e.V. ist schwer zu bekommen. Ein anderes Problem ist, dass man uns nicht akzeptiert.

4) Was möchtest du neuen Lehrern und Lehrerinnen sagen?
…mehr Verständnis für die Schüler und genauer hingucken….

5) Was ist dein Lieblingswort?
„Zeit“

Akteure der Alphabetisierung: Ulrike Busse



Ulrike Busse

ist Dipl.-Kommunikationswirtin und arbeitet seit Dezember 2011 bei Lesen & Schreiben e.V. in Berlin-Neukölln. Sie unterrichtet funktionale An-Alphabeten in den Fächern Deutsch und Sozialkunde und arbeitet in einer Arbeitsgruppe im Alphabündnis Neukölln mit.

1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?

Bis vor einigen Jahren wusste ich zugegebener Maßen gar nichts davon, dass es  in Deutschland möglich ist, dass Erwachsene lesen und schreiben in ihrer Muttersprache lernen können, geschweige denn, dass das nötig ist. Dann habe ich aber einen Bericht im Fernsehen gesehen, der mich schockiert hat. Danach wollte ich sofort mehr wissen. Und zum Glück habe ich dann Lesen und Schreiben e.V. im Internet gefunden, wo ich heute unterrichten darf.
Ich finde es persönlich wichtig und richtig, sich in diesem Bereich zu engagieren, denn er bekommt gesellschaftlich und politisch viel zu wenig Beachtung!

2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?
Der Unterricht mit den Lernern! In dem Bereich zu arbeiten macht mir viel Freude, weil ich andere auf ihrem Weg begleiten und unterstützen kann, ich kann ein offenes Ohr für sie haben, sie begeistern und ermutigen und mich mit ihnen freuen, wenn es Erfolge gibt. Das ist doch super!

3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?
Ich möchte die Zukunft unbedingt positiv sehen! Aber das wird ein mühsamer Weg, der Geduld bei allen Beteiligten erfordert, die ich schon mal nicht habe (:-/). Aber ich übe mich darin.
Ein Problem sehe ich in der Gesellschaft, die ganz stark von der Arbeitswelt geprägt ist. Menschen definieren sich über ihren Beruf/ ihrem Job und dem, was sie materiell vorweisen können. Es gibt kaum Platz für Schwächen. Es kostet anscheinend zu viel Mühe, Menschen in ihren vorhandenen Kompetenzen abzuholen, damit sie einen Arbeitsplatz bekommen können. Es ist einfacher für alle Bereiche 120% zu fordern und nicht zu suchen, wer trotz Schwächen individuell zu einer Stelle passen könnte. Wer nicht ins Schema passt, fällt unten durch.
Ein anderes Problem ist,  dass politisch oft zu kurzfristig und nicht nachhaltig gedacht wird. Und: dass Politik zu langsam und nicht mutig genug ist, um wirklich was von Grund auf zu ändern bzw. etwas zu initiieren. Wir brauchen ganzheitliche Förderung mit Weitblick, Zusammenarbeit der einzelnen Ministerien, Grundbildung für alle! als Sache des Bundes und Verständnis für die aktuell schlechte Situation der Betroffenen verbunden mit der Erkenntnis, dass das so nicht weitergehen kann, wenn wir uns gleichzeitig Sozialstaat nennen.

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?
Das ist ein Tätigkeitsbereich, in dem man viel Gutes geben kann und in dem man sehr viel Positives zurückbekommt.

5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?
„Chance“


Akteure der Alphabetisierung: Almut Schladebach

Almut Schladebach


  • elf Jahre Lehrerin Sek I, seit 1987 „Hauptamtliche Pädagogische Mitarbeiterin“, hat das Zentrum Grundbildung an der Hamburger VHS mit aufgebaut  
  • zuständig u.a  für Öffentlichkeitsarbeit  zusammen mit dem Alpha-Team (TN Gruppe, die Öffentlichkeitsarbeit macht)  
  • hat in allen Kursstufen unterrichtet, ihr Spezialgebiet ist „Kreatives Schreiben (Buch „Schreibtage“ mit Schreibaufgaben, das Buch „Politik in Deutschland“ mit Kollegin)  
  • stellvertr. Leitung im "Arbeitskreis Alphabetisierung und Grundbildung" des DVV. Tutorin Lernportal www.ich-will-lernen.de.  
  • Projekterfahrung Ceppac, Grawira. Beirat von alphabit (Winterfest) und  z.Zt. Alpha-Unternehmen. 


1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten? 

Es bot sich mir die Gelegenheit von der Schule zur VHS zu wechseln, die habe ich ergriffen. Mit Erwachsenen zu arbeiten, die freiwillig lernen wollen, erschien mir sehr attraktiv. Darin habe ich mich nicht getäuscht. Das ist die pädagogische Arbeit, die ich mir immer gewünscht habe.

2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht? 


Eigentlich alles:  Kreatives Schreiben mit den TN und der Kontakt zu den TN, besonders bei der Erstberatung und  Öffentlichkeitsarbeit zusammen mit dem Alpha-Team (TN Gruppe), aber auch Kursleitende fortzubilden. Am meisten befriedigt, Menschen dabei zu unterstützen, Ängste zu überwinden und selbstbewusster zu werden und das in erster Linie „nur“ durch Lesen und Schreiben.

3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?  


Es fehlt eine einheitliche nationale Strategie und Bündelung der Aktivitäten. Zusätzlich muss jedes Bundesland ein Konzept haben. In HH wünsche ich mir z.B. seit 20 Jahren, dass alle, die mit dem Problem zu tun haben (könnten) an einem „runden Tisch“ zusammen kommen, um mehr Menschen zu erreichen. Immer noch berate ich Betroffene, die noch nie davon gehört hatten, dass es Kurse gibt.

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?  


Keine vorgefertigten Unterrichtskonzepte abarbeiten, sondern immer mit dem TN das Lernen gestalten, sich als geduldiger Lern-Begleiter verstehen. Material und Infos gibt es bei www.alpha-fundsachen.de .

5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?  


Mehr als Ziel - Gelassenheit

Akteure der Alphabetisierung: Karsten Cornelius

Karsten Cornelius

  • Webentwickler, Designer, Programmierer, Erwachsenenbildner
  • Seit 2003 in der Alpabetisierung an der VHS Oldenburg tätig
  • Aktuell als Entwickler im Projekt abc+ und im Regionalen Grundbildungszentrum (RGZ) Oldenburg tätig
  • Kursleiter für "Rechnen" und "Computer"
  • Betreut die ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg bei Webauftritt u.a.
  • Bloggt auf grundbildung.org

1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?

Ich bin Quereinsteiger und 2003 rein zufällig in diesem Bereich gelandet. Dabei hatte ich immer das Glück, in einem wundervollen Team arbeiten zu können. Bei der Arbeit im Alpha- und Daf-Bereich faszinieren mich die Einblicke in völlig andere Lebensgeschichten und Realitäten bis heute - eine echte Horizonterweiterung und Inspirationsquelle. Mittlerweile ist mir die gesellschaftspolitische Bedeutung stärker bewusst geworden und ich möchte gern einen Beitrag leisten.


2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?

Am meisten Spaß macht mir die Mathematik und sie den Teilnehmern näher zu bringen. Außerdem entwickle ich sehr gern Lernsoftware, was ich ja momentan ausgiebig tun darf. Auch die Arbeit mit der ABC-Selbsthilfegruppe macht mir viel Spaß und ist mir sehr wichtig. Dort kümmere ich mich um Website, Gestaltung, Druckvorlagen, sowie um Fortbildungen zu PC und Internet.


3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?

An den beiden Hauptproblemen - allgemeine Finanzierung der Arbeit und Erreichen der Zielgruppe - wird sich meiner Einschätzung nach kurzfristig nichts ändern, auch deshalb, weil sie sich teilweise gegenseitig bedingen. Es wird auch weiterhin Beharrlichkeit beim Bohren dicker Bretter gefragt sein. Bei der konkreten Arbeit in den Kursen wird "Web Literacy" als vierte Grundbildungskompetenz sicherlich an Bedeutung gewinnen. Das bedeutet, dass entsprechende Angebote geschaffen werden müssen.


4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?

Sich einlassen auf die Leute, möglichst auf Augenhöhe, es lohnt sich in mehrfacher Hinsicht. Außerdem stets an die Balance denken: Einerseits immer auch selber lernen und sich für neue Entwicklungen interessieren: »Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!«
Andererseits den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren: »Weniger ist oft mehr!«


5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?

Oh, das ist schwer, da könnte ich lange drüber sinnieren. Ich habe ein Faible für altmodische oder mundartliche Schimpfwörter, wie z.B. "Dösbaddel", weil die meist nicht so aggressiv, sondern beinahe liebevoll klingen.

Akteure der Alphabetisierung: Andreas Brinkmann

Andreas Brinkmann


1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?
Weil ich Alphabetisierung als Fundament der Bildungsarchitektur sehe. Das ist ein wichtiges und leider oft zu wenig beachtetes Handlungsfeld wo man unbedingt ran muss! Benachteiligtenförderung zieht sich durch meine Biografie, bringt viele pädagogische Erfolge und macht Spaß – auch wenn es natürlich manchmal arbeitsaufwändig ist.
2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?
Der Unterricht mit Strafgefangenen in der JVA Münster ist absolut klasse. Die Teilnehmer sind sehr motiviert, gerade heraus, neugierig und mit Spaß bei der Sache. Hier erlebe ich sinnstiftende Arbeit live und in Farbe. Ich bin mal so frei und beschreibe noch eine zweite Situation: Mit einem Betroffenen, der von seinen Erfahrungen aus einer Welt ohne Schrift und seinen Erfolgen berichtet in der Halbzeitpause vor 50.000 Zuschauern in ´nem Fußballstadion auf dem Spielfeld zu stehen und gemeinsam für Alphabetisierung zu werben, das war eine verdammt prickelnde Sache!
3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?

Ich finde beim Wahr- und Ernstnehmen des Problems funktionaler Analphabetismus ist bildungspolitisch noch deutlich Luft nach oben. Neben neuen Kursinhalten und „herausreichenden“ Angeboten, die in Sportvereinen, Nachbarschaftszentren, Kirchengemeinden, Gefängnissen, Familienzentren usw. angeboten werden sollten verlässlichere Rahmenbedingungen für die Akteure geschaffen werden. Für viele ist es langfristig schwierig, jahrzehntelang ehrenamtlich, auf Honorarbasis und noch dazu oft befristet zu arbeiten. Ich glaube dass es sehr wichtig ist, langfristig engagierten Nachwuchs zu finden und aufzubauen und Projekte langfristiger zu bewilligen oder zu entfristen.

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?
Engagiert euch in diesem spannenden Feld! Das ist für die Lernenden und für euch persönlich bereichernd, politisch und ökonomisch wichtig und bringt eine Menge spannender Erfahrungen und Erfolgserlebnisse!
5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?
Mein Lieblingswort wird leider gerade abgeschafft: Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz! Nein mal im Ernst: Bildung. Da steckt so ziemlich alles Wichtige drin.

Akteure der Alphabetisierung: Ralf Beekveldt


Ralf Beekveldt

  • Ralf Beekveldt ist Verleger für Bücher und Zeitungen in Leichter und Einfacher Sprache. Er ist Gründer und Inhaber verschiedener Verlage in mehreren europäischen Ländern.
  • 1994 gründete er seinen ersten Verlag in Amsterdam Eenvoudig Communiceren (Etwa: Einfach Kommunizieren).
  • 2009 folgte die Gründung des Spaß am Lesen Verlages in Münster und der Start der leicht lesbaren Zeitung Klar und Deutlich.
  • Ende 2009 erschien mit dem Krimi Hitzewelle das erste vereinfachte Buch im Spaß am Lesen Verlag.
  • Seitdem sind neun Bücher erschienen. Gerade sind Romeo und Julia und der Krimi Rache in Einfacher Sprache erschienen.
 
1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?

Mit meinen Verlagen gebe ich Bücher und Zeitungen für Menschen mit Leseschwierigkeiten heraus. Nicht alle unsere Leser sind (funktionale) Analphabeten. Angefangen habe ich vor 20 Jahren in den Niederlanden mit Büchern für Menschen mit geistiger Behinderung. Denn ich finde: Auch sie sollen tolle Bücher lesen können. Dann habe ich gemerkt, dass es noch viele weitere Menschen gibt, für die einfache Bücher gut sind. Denn es gibt mehr Menschen mit Leseschwäche, als man denkt.
Ganz viele von ihnen sind normal intelligent und interessieren sich für die gleichen Dinge wie du und ich. Nur sie können nicht so gut lesen. Ihnen Teilhabe an guten Geschichten und gesellschaftlichen Themen zu ermöglichen, das ist mein Antrieb.

2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?

Es ist immer wieder eine spannende Herausforderung für mich Bücher und Zeitungen in eine schöne und dennoch einfache Sprache zu bringen. Damit möchte ich möglichst viele Menschen erreichen und Ihnen Spaß am Lesen vermitteln. Ich schreibe zwar nicht mehr selbst, aber wenn ich ein gelungenes Buch in Einfacher Sprache in der Hand halte, macht mir das viel Freude.


3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?

Das langfristige Ziel soll es sein, verständliche Kommunikation auf allen Ebenen zu ermöglichen. Mit unseren Büchern und Zeitungen können wir einen kleinen Beitrag leisten. Wichtig ist aber, dass ein allumfassendes Verständnis von einfacher Kommunikation entsteht. Gerade Behörden und Unternehmen müssten eigentlich ein großes Interesse daran haben. Denn mit komplizierter Sprache verstehen viele Menschen ihre Botschaften einfach nicht. In letzter Zeit ist auf diesem Weg schon einiges passiert. Und es ist gut dass sich etwas bewegt.
Von entscheidender Bedeutung ist aber, dass wir nicht der Versuchung erliegen, Einfache Sprache als ein Thema nur für Menschen mit geistiger Behinderung zu sehen.
Einfache Sprache hat einen Nutzen für die gesamte Gesellschaft – denn wenn alle alles verstehen, ist es für alle einfacher.

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?

Einfache Sprache besitzt eine motivierende Kraft. Vor allem für Schüler und Lerner, die sich schwer tun, bietet sie Leseanreize. Wer gern liest, liest öfter. Wer viel liest, lernt besser lesen. Wer gut lesen kann, liest gern. Wir nennen das die Spirale des Lesens. Nutzen Sie diese Kraft.


5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort? 

Ich habe jeden Tag ein bestimmtes Wort im Kopf. Es ist jedes Mal ein anderes Wort. Das ist dann ein Wort das ich gerade gehört oder gelesen habe, zum Beispiel im Radio oder in der Zeitung. Oft ist es ein Fremdwort. Zum Beispiel der Name einer Stadt in Asien,  ein russischer Geschäftsmann oder ein Wort mit einem musikalischen Klang. So ein Wort steckt dann stundenlang in meinem Kopf, gefangen wie ein Fliege im Spinnennetz, die versucht raus zu kommen und die nach einem Tag weg fliegt. 


Akteure der Alphabetisierung: Urda Thiessen

Urda Thiessen

  • seit 1993 Mitarbeiterin bei Lesen und Schreiben e.V. Berlin
  • maßgeblich beteiligt an der Entwicklung und Veröffentlichung des Lehrwerks "Einsteigen bitte!"
  • 1998 - 2009 Kursleiterin im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung an der City VHS (PC-Kurse und Angebote im Maßregelvollzug)



1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?


Im Rahmen meines Studiums (Erwachsenenbildung) bin ich über ein Praktikum zu LuS gekommen. Das war ein Glücksfall, denn hier gab es schon damals mehr als Lesen und Schreiben lernen. So war schnell klar, dass Alphabetisierung ein gesellschaftlich wichtiges Thema ist und ein vielseitiges Arbeitsfeld bietet. Die Mitarbeit bei LuS und der Kontakt mit Betroffenen hat mir einen besonderen Blick auf die Welt ermöglicht, der mein Leben bis heute bereichert.

2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?


Nach wie vor schätze ich die Vielseitigkeit. Das Herzstück ist natürlich die direkte Zusammenarbeit mit den Lernern. Sie auf ihrem Lernweg zu begleiten, zu unterstützen und mit ihnen Ideen zu entwickeln und umzusetzen gefällt mir. Jeder kleine Erfolg macht  Spaß. 

3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?


Ich halte die angemessene Wahrnehmung dieser großen Gruppe in allen Bereichen der Gesellschaft für das größte Problem. Die Betroffenen sind immer noch unsichtbar. Grundbildung ist  ein gesellschaftliches Problem, das ressortübergreifend angegangen werden muss. Das Know-How ist vorhanden, aber die Bereitschaft, in Grundbildung angemessen zu investieren, fehlt. Problematisch ist, dass Projektfinanzierung vorherrschend ist. Damit ist die dringend erforderliche Kontinuität der Arbeit gefährdet und Potentiale von Experten (Kursleiter und Lerner) werden nicht ausreichend genutzt. 
Der Auflistung von Achim Scholz zu diesem Punkt kann ich nur zustimmen.

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?


Es lohnt sich! Das Arbeitsfeld ist interessant und bietet vielfältige Möglichkeiten. Doch Vorsicht: Es hat Suchtpotential. Und das ist gut so.

5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?


zurzeit: „Lernerbewegung“
Dauerbrenner: „furniertes Wissen“

Akteure der Alphabetisierung: Ralf Häder

Ralf Häder


  • seit 2006 Mitarbeiter des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung 
  • zurzeit Projektleiter der Fachtagung 2013
  • er war Mitarbeiter in den vom BMBF geförderten Projekten "F.A.N.: Fußball. Alphabetisierung. Netzwerk." und "Chancen erarbeiten"
  • Zwischen zwei Projekten hat er als Projektentwickler und Geschäftsführer im Bildungsbereich gearbeitet

 1.)    Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?
Direkt nach dem Studium habe ich im beruflichen Erwachsenenbildungsbereich eine Anstellung gefunden und durfte dort nach ein paar Jahren auch einen Vollzeit-Alphabetisierungskurs als Modellprojekt begleiten. So habe ich den Bundesverband Alphabetisierung in Münster und Peter Hubertus kennengelernt. Einige Jahre später suchte der Verband per Zeitungsannonce einen Projektleiter für „F.A.N. – Fußball. Alphabetisierung. Netzwerk“. Die Projektidee war hervorragend und ich froh, dass ich überzeugen konnte…
2.)    Welche Tätigkeit hat Ihnen/dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht? 
Am meisten gefällt es mir neue Ideen und Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Dabei sind die kleinen,  regionalen Projekte, bei denen auch sogenannte Außenstehende beteiligt werden, besonders interessant.
3.)    Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer/deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem? 
Das dringlichste Problem ist und bleibt die Finanzierung der Arbeit. Es bedarf einer Menge Argumente und Zeit, um das Recht und die Notwendigkeit einer „zweiten Bildungschance“ durchzusetzen und die finanzielle Unterstützung einzuwerben. Allerdings sehe ich auch Hoffnungsschimmer am bundesdeutschen und europäischen Bildungshimmel aufflackern….
4.)    Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?
Mut tut gut - und frisch ans Werk! Die berufliche Karriere führt nicht geradewegs in die Rente sondern macht an vielen Baustellen und Abzweigungen halt!
5.)    Was ist Ihr / dein Lieblingswort?
„Bürgerbeteiligung“ und was das mit Alphabetisierung zu tun hat

Akteure der Alphabetisierung: Achim Scholz


Neben den Tagungsberichten und Unterrichtsideen, auf die der Fokus hier auf ZusammenLernen ja vor allem gesetzt ist, möchte ich heute eine neue Reihe beginnen.
In regelmäßigen Blogposts werden sich "Akteure der Alphabetisierung" (und natürlich Grundbildung (siehe Blogpost), aber dann wäre die schöne Alliteration ja dahin.... ;o) ) vorstellen. Menschen, die Alphabetisierung auf die eine oder andere Weise zu ihrem Arbeits- und Lebensinhalt gemacht haben. Ich denke da an Lehrende und Lernende, Botschafter/-innen der Alphabetisierung, Politiker/-innen, Projektleiter/-innen usw.

Ich werde ihnen immer die gleichen 5 Fragen stellen, und bin jetzt schon sehr gespannt auf die Antworten..
Den Anfang macht heute

Achim Scholz

 

  • Sonderschul- und Alphabetisierungspädagoge
  •  Bildungsmanager für schulische Bildung bei der VHS Oldenburg
  •  Projektleiter des BMBF-Projektes abc+
  •  Kursleiter für Grundbildungsangebote
  •  Botschafter für Alphabetisierung
  •  Mentor der ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg 

 

1.) Warum haben Sie sich / hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung zu arbeiten?

Ich habe mich in meinem Erwerbsleben schon immer für bildungsbenachteiligte Menschen eingesetzt. Bei meinem Einstieg in die Alphabetisierungsarbeit Anfang der 80er Jahre fanden spannende Diskussionen im Bereich Didaktik und Methodik des Schriftspracherwerbs bei Erwachsenen statt. So machte ich meine ersten Erfahrungen als nebenberuflicher Kursleiter und konnte viel erproben und eigene Lernmaterialien erstellen.

2.) Welche Tätigkeit hat Ihnen / dir bisher in diesem Bereich am meisten Spaß gemacht?

Sowohl das Planen, Organisieren und Begleiten von innovativen Bildungsangeboten als auch das eigene Unterrichten und Beraten sowie die vielen Gespräche und der enge Kontakt mit Betroffenen.

3.) Wie sehen Sie / siehst du die Zukunft in diesem Bereich, bzw. was ist Ihrer / deiner Meinung nach derzeit das dringlichste Problem?

Am dringlichsten aus meiner Sicht sind eine kontinuierliche Sensibilisierung der Öffentlichkeit; neue Formen der Kursteilnehmergewinnung durch aufsuchende Bildungsangebote; die Gewinnung von Unternehmen und öffentlichen Betrieben für die Umsetzung von Grundbildungsangeboten; die gesetzliche Anerkennung von Grundbildungsmaßnahmen als arbeitsmarktrelevantes Förderinstrument; eine ausreichende finanzielle Unterstützung durch Bund, Länder und Kommunen, eine länderübergreifende Unterstützung des Bundesverbandes für Alphabetisierung und Grundbildung e.V. als zentrale Servicestelle; die Stärkung von Selbsthilfestrukturen der Betroffenen in Form von Selbsthilfegruppen und die Einrichtung von angemessen bezahlten Stellen für Planende und Kursleitende im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung.

4.) Was möchten Sie / möchtest du dem beruflichen Nachwuchs mit auf den Weg geben?

Es erwartet ihn ein sehr interessantes und vielfältiges Tätigkeitsfeld, in dem man Menschen über einen längeren Zeitraum als Impulsgeber begleiten und viele Erfolgsgeschichten miterleben kann.

5.) Was ist Ihr / dein Lieblingswort?

Zurzeit "Selbsthilfegruppe".